Einleitung
Burg von Recherswil
Geschichtliches
Prähistorisches, archäologische Funde
Der Grossbrand zu Recherswil
Mut mit dem Tode bestraft
Recherswil hiess 1248 Reicherswile, 1278 Richerswile, 1376 Richardswil und ab zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts Recherswil.
Nach Bruno Amiets Solothurner Geschichte dürfte sie eine spätere alemannische Siedlung gewesen sein. Sie war aber schon vorher bewohnt, denn am Bachrand fand man im Kies keltische Gräber mit Armspangen und Ringen aus Bronze und eine gallische Bronzenadel mit reliefartig ziseliertem Bügel. Auf der Burg entdeckte man eine Römersiedlung. Im Mittelalter gehörten Twing und Bann (niedere Gerichtsbarkeit) von Recherswil den kyburgischen Edelknechten von Halten, von denen sie erbweise an die Ritterfamilie von Spiegelberg gelangten. 1433 ergänzte Hemmann von Spiegelberg seinen Besitz durch den Kauf der Rechte auf die Gewässer von Richardswil mit dem niedern Gericht, welche das Kloster Thorberg inne hatte. Im Jahre 1466 kam Richardswil mit dem niedern Gericht durch den Verkauf der Herrschaft Halten an Solothurn.
Seit alters her war Recherswil kirchgenössig nach Kriegstetten. Frucht- und Heuzehnten, welche für die Bedürfnisse der Kirche bestimmt waren, wurden öfters an den Meistbietenden verliehen. So empfing beispielsweise im Jahre 1536 Bendikt Graf, Bürger von Kriegstetten, den Kornzehnten um 72 Viertel (etwa 12 1/2 kg = 1/4) und 1538 der Bauer Bendikt Jäggi den Heuzehnten um 11 Pfund 10 Schilling und ein Lamm.
Die Neuerung der helvetischen Einheitsverfassung, welche unter anderem auch mit den alten Naturalsteuern aufhören wollte, stiess wie anderswo auch bei den Wasserämtern auf Widerstand. Der Anführer des Aufstandes, der Vorsteher der Gemeinde Recherswil, Agent Georg Schwaller, wurde dabei gefangengenommen und am 17. April 1799 auf der Schützenmatte in Solothurn erschossen.
Die Ministerialen von Halten standen im Dienste der Herzoge von Zähringen und nach deren Aussterben im Dienste der Grafen von Kyburg.
Auf einer Anhöhe an der Oesch bauten sie im 12. Jahrhundert eine Burg mit einem festen Turm. Zur Burg Halten gehörten Twing und Bann mit aller Rechtsame zu Halten, Kriegstetten, Recherswil, im Wil bei Recherswil nebst zwei Hofstätten in Recherswil.
Eine Burg stand in Recherswil. Der Zinsrodel Hemmann von Spiegelberg erwähnt den Burgbühl zu Recherswil im Dorf mit dem ihn umgebenden Graben.
Am 15. September 1466 verkauften der Junker Reinhard von Malrain und seine Gemahlin, Kunigulde von Spiegelberg, den Burgstal zu Halten und die Herrschaft Kriegstetten mit den Dörfern Recherswil usw. um 4000 Gulden an Solothurn. Das Besitztum ging später an Niklaus von Esche, Bürger zu Bern, über.
Im Dorfe Recherswil erhob sich in der grossen Wiesenebene ein einzelner runder Hügel. Der Hügel war kein Gebilde der Natur, sondern offenbar von Menschenhand errichtet. Professor Schlatter von Solothurn, der den Hügel für einen Grabhügel hielt, machte im Jahre 1845 einen Anfang, denselben zu öffnen. Bei den Grabungen zeigte sich, dass der Hügel aus verschiedenen Schichten aufgebaut war. In regelmässigen Abständen folgten sich Schichten aus Sand, Asche mit Kohlenstücken, Schichten aus vermodertem Holz mit Knochen von Hirschen, Schweinen und Pferden, Tonschichten mit zum Teil gebrannten Scherben.
Nach der Untersuchung hatte Schlatter über die Bedeutung und Entstehungsart des Hügels folgende Ansicht: «Der Hügel ist ein Grab oder eine Opferstätte und ist zu verschiedenen Zeiten zu diesem Zweck benutzt worden».
Unmittelbar über dem feuchten und quellenreichen Grunde wurde ein künstlicher Boden von Ton aufgeführt. Auf diesem Boden wurde das gewaltige Feuer angezündet, dessen Spuren in den Aschenhaufen entdeckt wurden. Dieses Feuer scheint zum Verbrennen von Leichen gedient zu haben. Von diesen kommen die Bruchstücke von Knochen, die sich tief in der Asche befanden. Nach dem Verbrennen der Leichen wurde das Feuer bedeckt, daher die Tonschicht, die unmittelbar über der Asche lag, mit ihren Spuren von Feuer. Anschliessend folgten die Totenopfer von Pferden und Schweinen, die mit einem Leichenmahl verbunden waren. Die Knochen der verzehrten Tiere wurden auf den Hügel geworfen und mit Eichenästen dick bedeckt. So erklärt sich das Vorkommen der vielen und zerstreuten Tierknochen, die in der Holzschicht lagen und nirgends eine Spur von Verbrennung zeigten.
Auch in der Schweizergeschichte von Dr. E. von Muralt, deren erstes Heft 1877 erschien, wird der Hügel zu Recherswil zu denjenigen alten Gräbern eingereiht, wo Leichenbrand statt fand.
Andere Untersuchungen stellen die Ansichten Schlatters in Frage. In einem mit Spitzschrift verfassten Manuskript behauptet der unbekannte Autor, Grabhügel hätten nicht einen so bedeutenden Umfang. Auch die Gestalt entspräche weniger einem solchen. Schlatter habe in seinen Untersuchungen die Vertiefung bzw. deren zwei nicht berücksichtigt. Dieser doppelte Graben stelle wahrscheinlich einen Burggraben dar. Möglicherweise wurde dieser Graben mit dem Wasser des unmittelbar vor dem Hügel vorbeifliessenden Baches gefüllt. Wie Lehrer Kaufmann von Recherswil dem unbekannten Autor mitteilte, fand man in einer Tiefe von ein bis zwei Fuss im Boden noch ein eingelegtes Steinbett. Eine vorzunehmende Nachgrabung würde herausstellen, ob wir es mit einem mittelalterlichen Burgweg oder mit einer römischen Strasse zu tun haben. Für letztere dürfte auch Folgendes zeugen. Auf dem Friedhof Kriegstetten fand man vor 1864 eine Kupfermünze von Mark Aurel, römische Ziegel und eine schwarze für keltisch erklärte Scherbe des Bodens eines Gefässes. 1863 stiess man, etwa 30 Schritte von dieser Stelle entfernt, bei Grabarbeiten auf eine mit Kieselsteinen, wie in den Stadtgassen, besetzte Strasse. Ohne weitere Untersuchungen wurde dieselbe aber wieder zugedeckt. Stehen diese beiden Strassen wohl in einer Verbindung miteinander?
Dass hier eine Burg gestanden hatte, lebte im Volk vor vier- bis fünfhundert Jahren noch in Erinnerung. Es gibt hiefür zwei schriftliche Zeugnisse aus den Jahren 1444 und 1450, die auch den Beweis leisten, dass der Recherswiler Hügel eine Burg getragen hatte, und dass sich um denselben ein Burggraben gezogen hatte. Es sind dies zwei Zinsrodel der Familie von Spiegelberg, der damals diese Gegend gehörte. Der ältere im von RolI'schen Familienarchiv, der andere im Ratsarchiv von Solothurn. Im Rodel von 1444 steht (Seite 111) zu Recherswil: «Item der Burghügel zu Richardswil im Dorf mit dem Graben ist nicht verliehen». Auch im Rodel von 1450 ist der Burghügel mit seinem Graben erwähnt. Es ist folgende bemerkenswerte Eintragung enthalten: «Hansli Wehrlis gibt jährlich 2 1/2 Viertel Dinkel 1 Schilling von der Mühlihofstatt z'Richardswil und von Burkartz Hofstatt daselbst. Auch gibt er 1 Schilling von dem Burgstal»
Prähistorische archeologische Funde
Arbeiter Kräuchli fand ein ausgezeichnet erhaltenes Exemplar einer langen Bronzenadel mit halbkugeligem Kopf und fünf breiten Rillen vom Typus Oberendingen. Der Fundort liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Recherswil, ungefähr Topographische Karte 129, 85 mm von links, 41 mm von oben. In der Nähe kommt der Flurname «Weier» vor. Die Nadel lag etwa 1,5 m tief im Lehm.
Mit diesem Streufund vermehrt sich die grosse Anzahl von bronzezeitlichen Landfunden aus dem Wasseramt und es wird immer mehr die dichte Besiedlung jener fruchtbaren Gegend im Ausgang der Bronzezeit bewiesen.
Die Nadel kam durch Kauf in den Besitz des Museums Solothurn.
Am 13. April 1805 war in Recherswil eine grosse Feuersbrunst. Sie wurde fahrlässig verursacht durch den Strohdachdecker Peter Hollenstein aus Lothringen. Dieser zündete auf einem Strohdach die Tabakspfeife an, wobei eine Glut das Dach in Brand steckte. Ein starker Wind trug das Feuer auf andere Häuser. In kurzer Zeit brannten 7 Häuser.
Da damals noch keine staatliche Gebäudeversicherung bestand, mussten die Brandgeschädigten die Schäden selber tragen. Es wurde eine Sammlung durchgeführt. Der Oberamtmann verteilte die eingegangenen Spenden von Fr. 19 674.40 an die Brandgeschädigten.
1799 wurde Gemeindepräsident Schwaller hingerichtet
Um die «geknechteten» Eidgenossen die «Freiheit und Gleichheit» zu bringen, drangen 1798 zwei beutegierige französische Heere in unser Land ein. Gegen die neue Staatsordnung lehnte sich die Bevölkerung aber auf. Der damalige Recherswiler Gemeindepräsident setzte sich für seine Mitbürger ein und bezahlte dies mit seinem Leben.
Als vor gut 200 Jahren die Franzosen in unser Land einfielen, begann für die Bevölkerung eine verhängnisvolle Zeit. Gegen 8000 Mann waren lange Zeit in und um Solothurn stationiert. Die eingeschüchterten Menschen litten unter dem Leben und Treiben des französischen Kriegsvolkes, da dieses für sich selber sorgen musste und raubend und plündernd durch die Gegend zog. Noch schlimmer wurde es ein Jahr später, als die Eidgenossenschaft französischen, österreichischen und russischen Heeren als Kriegsschauplatz diente. Die steigende Erbitterung und die Verarmung des Volkes machte sich in vereinzelten öffentlichen Demonstrationen und revolutionären Bewegungen Luft. Dies war vor allem im unteren und mittleren Kantonsteil der Fall, aber auch in Kriegstetten und Recherswil. Gemeindepräsident oder «Agent» von Recherswil war Georg Schwaller. Er empfand die Neuerungen als ungerecht und beteiligte sich des- halb an der Organisation des Aufruhrs im Wasseramt.
Wernhard Huber - Rücksichtsloser Kommissär
Im April 1799 begann die Suche nach den Unzufriedenen oder Rebellen, wie .sie von den Regierenden genannt wurden. Das helvetische Direktorium hatte in der Person des Baslers Wemhard Huber, ursprünglich Apotheker, einen «ausserordentlichen Regierungskommissär» bestimmt. Er war mit allen Vollmachten ausgerüstet, die ihm «zur Beendigung der aufrührerischen Ereignisse und zur Wiederherstellung der Ruhe und Sicherheit» als notwendig erschienen. Als rücksichtsloser Mann wollte er die Gegner der neuen Staatsform durch Schrecken und radikale Zwangsmaßnahme einschüchtern. Mit einer Abteilung helvetischer Husare zog er im ganzen Kanton herum, um die zumeist von zweifelhaften Angebern bezeichneten wirklichen oder angeblichen «Aufständischen» zu verhaften. Die gefangenen Männer wurden nach Solothurn gebracht und durch ein «Kriegsgericht» von neun Mitgliedern, davon nur zwei Solothurner, abgeurteilt.
Überharte Strafen
Aus dem Wasseramt wurden Josef Jäggi aus Recherswil und drei Männer namens Felder aus Etziken zur Kerkerhaft zwischen 212 und 236 Tagen verurteilt. Schlimmer erwischte es Georg Schwaller. In der Anklageschrift stand: «Schwaller ist durch genugsame Zeugen überwiesen, dass er sich wider die Gesetze verfehlt hat. Er ist einer der Anstifter, Urheber und Anführer des sträflichen Aufruhrs in Kriegstetten. » Gestützt auf diese Anklage wurde der 43-Jährige am 6. April 1799 zum Tode verurteilt und schon tags darauf auf der Schützenmatte in Solothurn standrechtlich erschossen. Er hinterliess kein Vermögen, aber eine 45-jährige Witwe, fünf Töchter und einen 77-jährigen Vater. Recherswil ersuchte im Jahr darauf die Verwaltungskammer um Unterstützung der rechtschaffenen Hinterlassenen. 80 Franken brachte das Gesuch ein. Drei weitere Todesurteile, die ebenfalls auf der Schützenmatte vollstreckt wurden, trafen Urs Josef Rauber von Neuendorf, Urs Stampfli aus Herbetswil und Johann Josef Rudolf von Rohr von Egerkingen.
Quellen Von Arx, Bilder aus der Solothurner Geschichte, Bd. 2, Solothurn 1939; St.-Ursen-Kalender 1893; Sigrist, Solothurnische Geschichte, Bd. 3, Solothurn 1981. «Henker» Wemhara i-iuber Lehrte 17Y9 Aufständige das Fürchten. Anton Ris, Solothurner Zeitung

